Ich mach‘ Portraits von Dir

Ich übertreibe sicherlich nicht, wenn ich sage, dass so ziemlich jeder weiß was mit Portraits gemeint ist. Und nicht sehr viel weniger benutzen diesen Begriff auch bewusst. Aber was sind eigentlich Portraits? Ist der Begriff wirklich so universal einsetzbar? Und wie wird er eigentlich wirklich geschrieben? Ob es wirklich so einfach ist oder ob dieser Begriff nicht doch mit den ein oder anderen Regeln verknüpft werden muss, möchte ich im folgenden Beitrag klären. Wörtlich genommen ist bei Portraits die Rede von der bildlichen Darstellung eines Menschen. Vor einiger Zeit sprach man synonym noch von einem Brustbild. Oder einer Darstellung die den Menschen beschreibt. Aber wieso eigentlich Brustbild?

Bildliche Darstellung historisch bedingt

Historisch gesehen fußt der Begriff in der frühen Malerei. Das Portraitieren diente der Darstellung. Stets mit dem Ziel der höchstmöglichen Ähnlichkeit zum Motiv entwickelten sich frühe Malereien besonders stark durch das aktuell vorherrschende Menschenbild. Daher auch Brustbild. Der Kopf wurde erst später als charakterisierendes Körperteil entdeckt. Geprägt durch Kultur und Gesellschaft unterscheiden sich Portraits durch ihre Erscheinung daher im historischen Verlauf. Zu Beginn wurden Künstler die Portraits anfertigten sogar als weniger Kreativ angesehen. Mit dem Beginn der Renaissance wurde das Portrait auch bei normal bürgerlichen Menschen berühmter. Dadurch stieg gleichzeitig die Anerkennung für derartige Kunst.

Die Fotografie

Erst sehr viel später wurden die ersten Kameras entwickelt. Das vermutlich erste Bild, das einen Menschen abbildet führt zurück ins Jahr 1839. Louis-Jacques-Mandé Daguerre nahm dieses in Paris von sich selbst auf. Abgesehen von diesem ersten Gehversuch wurde die Portraitfotografie seither vorwiegend zum Festhalten bildniswürdiger Menschen mit ihren Errungenschaften genutzt. Heute wird die Portraitfotografie viel mehr inflationär genutzt, was den Anspruch an dieses Medium selbsterklärend verringert. Die letzte implizit gebliebene Regel ist, dass ein Portrait einen Menschen abbilden muss. Schon lange sind künstlerische Aspekte keine Grundlage mehr für einen Maßstab.

Das Besondere

Nur weil es die Möglichkeit gibt heute jederzeit und überall ein Portrait aufzunehmen, heißt es noch lange nicht, dass dies nicht besonders sein kann. Viele Fotografie-Enthusiasten versuchen sich vermehrt autodidaktisch an der so genannten Meisterklasse der Fotografie. Mit teils sehr schönen Ergebnissen. Diese Fotografen legen stets einen neuen Maßstab an ihre Arbeit an und verhelfen den Portraits wieder zu neuem Glanz. Einer der berühmtesten Fotografen seiner Klasse ist der deutsche Fotograf Peter Lindbergh. Das Besondere an den Portraits begabter Fotografen ist die Geschichte die sie erzählen. Ob inszeniert oder Schnappschuss. Sie verzaubern mit Emotionen, die durch Gestaltung und Komposition hervorgerufen werden.

Portraits erzählen eine Geschichte

Aus der heutigen Perspektive muss ein Portrait optisch beeindruckend sein und es muss zugleich eine Geschichte erzählen die uns die Aufnahme vermitteln soll. Wir sehen täglich Portraits. In der TV-Werbung, in Magazinen, auf dem Weg zur Arbeit in der S-Bahn. Wir sind übersättigt mit Portraits. Wenn uns nun eines dieser Fotos packen möchte, muss es sich von diesen alltäglichen Einflüssen abheben können. Gelingt es dem Fotografen eine Emotion beim Betrachter zu erwecken, hat er einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Fotografie ist ein Handwerk

Abschließend ist zu sagen, dass ein Portrait keinerlei Ansprüche mehr an seinen Schöpfer stellt. Portraits müssen Personen abbilden. Das ist klar. Wenn es den Betrachter einnehmen und packen soll, braucht es allerdings noch ein wenig mehr. Ein Anspruch den nicht jeder hat. Und das ist auch gar nicht weiter tragisch. Dafür gibt es eben jene Fotografen die ihr Handwerk verstehen und ums ein oder andere Mal den Maßstab höher legen um die Betrachter damit gerne in ihren Bann ziehen.

2 Kommentare

  1. Du schreibst: „Gelingt es dem Fotografen eine Emotion beim Betrachter zu erwecken, hat er einen wesentlichen Schritt in die richtige Richtung gemacht“

    Wenn ich aber nur entsetzt bin (Emotionen), dass man unscharfes und überbelichtetes Foto präsentiert (angenommen) ist das auch die richtige Richtung? Auf jeden Fall hat das Bild Emotionen erweckt. Oder geht es nur um bestimmte Emotionen?

    ?

    Gruß
    Richard

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar Richard. Ich habe eine klare Antwort auf Deine Frage: Ja. Es ist „ein“ Schritt in die richtige Richtung. Denn selbst wenn ein Foto überbelichtet oder unscharf ist, kann es jemanden auf einer emotionalen Ebene ansprechen. Nicht jeder befasst ich intensiv mit der Materie und die meisten Bildbetrachter achten viel weniger auf die technischen Aspekte eines Fotos. Selbst wenn Deine Emotion zum Foto reine Empörung über schlechtes Handwerk ist, hat der Fotograf es immerhin geschafft, dass Du Dich mit seinem Foto auseinandersetzt. Das allein wird wohl kaum reichen um viele Menschen damit anzusprechen. Aber auch nicht jedes Foto hat zum Ziel viele menschen zu erreichen. Aber nicht in der Masse von Fotos mit seinen Werken unterzugehen ist so oder so eine Leistung. Ich hoffe ich konnte Dir meine Sicht der Dinge noch mal etwas erläutern. Beste Grüße Kevin

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